Mercedes-Benz W111/112
- „die große Heckflosse” (1959 - 1968)
Luxuriöse Limousinen, Coupés und Cabriolets der Oberklasse.
Die im Vergleich zu den zeitgenössischen US-Fahrzeugen maßvollen Heckflossen wurden herstellerseitig „Peilstege“ genannt und galten so laut Mercedes als eine Art Einparkhilfe, die klar das Ende des Wagens markierte. Der W111 folgte der bis 1959 gebauten großen „Ponton“-Serie W105 und W180 nach. Seine geradlinig elegante Karosserieform stammte vom damaligen MB-Chefdesigner Karl Wilfert und seinem Team. Die Karosserie zeichnete sich durch eine bis dahin nicht gekannte passive Sicherheit aus: Sie besaß als erste eine stabile Fahrgastzelle und wirksame Knautschzonen. Mercedes führte umfangreiche Crashtests durch, z. B. brachte man ein Fahrzeug mit 80 km/h über eine Rampe zum Überschlagen.
Das b in der Typenbezeichnung 220 b oder 220 Sb grenzte die Heckflossen-Baureihe ab 1959 von den typnamensgleichen Vorgängermodellen, der sogenannten „Ponton“-Serie, ab. Die Basisversion 220 b hatte im Gegensatz zu ihren stärkeren Brüdern kleinere, oben zur Heckmitte leicht abgeschrägte Rückleuchten mit weniger Chromzierrat und keine doppelten Stoßstangen. Produktionsende der Limousinen 220 b, 220 Sb und 220 SEb war 1965. Lediglich der 230 S lief noch bis 1968 vom Fließband. Nachfolger war der ab 1965 gebaute W108/109.
Das luxuriöse Heckflossen-Coupé
Im Gegensatz zum Vorgängermodell basiert das Coupé auf der ungekürzten Rahmenboden-Anlage der zugehörigen Limousine und ist somit ein vollwertiger Viersitzer. Obwohl die Heckflossen, die bei der Präsentation der Typen 220b und 220 SEb für viel Aufsehen gesorgt haben, beim neuen Coupé nur noch in rudimentärer Form in Erscheinung treten, haben Coupé und Limousine auch stilistisch zahlreiche Gemeinsamkeiten. Umso mehr überrascht, dass von den Rohbauteilen des Viertürers nicht ein einziges für das Coupé verwendet werden kann.Motor und Fahrwerk stammen ohne nennenswerte Änderungen von der Limousine. Der einzige wesentliche Unterschied ist zugleich eine technische Besonderheit: Der Typ 220 SEb Coupé hat als erster Serien-Personenwagen der Marke Mercedes-Benz Scheibenbremsen an den Vorderrädern. Im August 1961 wird eine Cabriolet-Variante vom Typ 220 SEb vorgestellt, die bis auf das Faltdach und die erforderlichen Karosserieversteifungen in allen Einzelheiten dem Coupé entspricht.
Zum Design heißt es in einem Prospekt aus dem Jahr 1953:
«Ganz gleich, von welcher Seite Sie diesen Wagen auch betrachten, immer fällt die rassige Eleganz, die ästhetische Ausgewogenheit der stilistischen Elemente auf. Es ist die souveräne Erscheinung dieses Wagens, die – modern, aber fern jeder modischen Spielerei – den Beschauer immer wieder in den Bann zieht.»
Zuwachs mit Dreiliter-Motor
Ein halbes Jahr später debütieren auf dem Genfer Automobil-Salon die Typen 300 SE Coupé und 300 SE Cabriolet, die gewissermaßen durch einen Griff in den Baukasten entstanden sind. Die Karosserie der entsprechenden 220 SEb-Varianten sind mit zusätzlichen Zierelementen versehen und mit der Technik des Typ 300 SE kombiniert. Dementsprechend sind die neuen Exklusivmodelle, die wie die zugrundeliegende Limousine der Baureihe 112 angehören, mit einer ganzen Reihe technischer Besonderheiten ausgestattet. Zur Grundausstattung gehören ein Leichtmetallmotor mit drei Liter Hubraum, ein Viergang-Automatikgetriebe, Servolenkung, Luftfederung sowie eine Zweikreisbremsanlage mit Scheibenbremsen an den Vorder- und Hinterrädern.
Ab März 1963 sind die Typen 300 SE Coupé und Cabriolet sowie die Limousine auf Wunsch auch mit Viergang-Schaltgetriebe lieferbar; der Listenpreis reduziert sich in diesem Fall um 1400 DM. Im Januar 1964 wird die Motorleistung auf 125 kW erhöht, was bessere Fahrleistungen bringt. Ein Umstellen der Einspritzanlage auf eine Sechsstempel-Einspritzpumpe ermöglicht diese Leistungssteigerung.
Als im August 1965 die „Heckflossen“-Limousinen der Typen 220 Sb, 220 SEb und 300 SE von einer neu konstruierten Modellgeneration abgelöst werden, bleiben die Coupé- und Cabriolet-Varianten zunächst im Verkaufsprogramm. Die seit vier Jahren produzierten Exklusivmodelle wirken auch neben den Limousinen der neuen Generation keineswegs überholt, so dass eine kostspielige stilistische Überarbeitung oder gar Neuentwicklung der Kleinserien-Varianten nicht nötig ist. Der Verkaufsprospket versprach damals:
«Sie werden erfahren, dass Mercedes-Benz Personenwagen Ihnen etwas zurückgeben, was im Straßenverkehr sehr selten geworden ist: ihre Freiheit und Gelassenheit.»
Völlig neu entwickelter 8-Zylinder Motor
Sicherheit: die stabile Fahrgastzelle von Ing. Béla Barényi
Die Baureihen 111 und 112 in der Presse
«In diesem Jahr gibt es in Genf Neues zu sehen – zwar keine Sensationen, aber doch immerhin Überraschungen. Dazu gehören auch Coupé und Cabriolet des Typs Mercedes-Benz 300 SE – eine Kombination von Motor und Fahrgestell des 300 SE mit der Karosserie des 220 SE Coupés bzw. Cabriolets. Mit dem 160 PS Dreiliter-Einspritzmotor, der Getriebe-Automatik, der Servo-Lenkung, dem Fahrwerk mit Luftfederung, Scheibenbremsen an allen vier Rädern und Sperrdifferential und der exklusiven Ausstattung ist dieses Fahrzeug zweifellos ein non-plus-ultra des modernen Automobilbaus.»
Video über die Entstehung (W111)
aktuelle Marktlage (Stand: 2010 / 2011)
Für Liebhaber der klassischen Mercedes ist dies das Traumcabrio schlechthin. Die elegante Karroserie, die Linienführung - bis hin zum riesigen Kühlergrill, dieses Fahrzeug wirkt massiv. Es ist schon ein imposantes Gefühl vor einem Grill zu stehen der etwa einen halben Meter hoch ist. So etwas gibt es heute nicht mehr. Dieses Fahrzeug ist der Inbegriff von Schönheit. Die Liebe und Hingabe der Menschen die dieses Fahrzeug gebaut haben ist bis heute zu spüren. Der Geist Gottlieb Daimlers flüstert leise: "das beste, oder gar nichts."



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