Magic Sky Control (Reportage) Letzte Tests in der Gluthitze des DeathValley
So wird gemessen: vom Sonnensimulationslabor in das heiße DeathValley zum Testen.
Der Kofferraum birst beinahe vor elektronischem Messequipment. Dutzende von Kabeln führen nach vorn, unter die Motorhaube, in den Innenraum und an das innovative Dach. Der Aufwand gilt dem letzten harten Funktions- und Haltbarkeits-Check in den härtesten Umweltbedingungen, auf die ein künftiger SLK‑Fahrer auf dieser Erde treffen kann. Während seiner Entwicklung hat das MAGIC SKY CONTROL Panorama-Variodach bereits Hunderte von Stunden unter anderem im Sonnensimulationslabor und auf diversen Prüfständen erfolgreich absolviert. Das Programm in der arktischen Kälte jenseits von 30 Grad minus nahe am Polarkreis haben der künftige SLK und das neuartige Panoramadach im letzten Winter mit Bravour bestanden. Jetzt ist die Hitze dran.
Um die Messungen auf eine nachvollziehbare und solide Basis zu stellen, haben die Messtechniker aus ihrem schwarzen Van Messzubehör geholt und aufgebaut. Nun justieren sie es unter der brennenden Sonne. Kernstück ist ein sogenanntes Sternpyranometer. Es misst äußerst exakt die Energie der Sonnenstrahlung, der die Prototypen hier auf dem öden Parkplatz im Death Valley ohne Schutz ausgesetzt sind. Morgens um zehn zeigt das Display bei blankem Himmel bereits gut 800 Watt. Tendenz steigend. Kurz nach Mittag wird die 1000-Watt-Marke überschritten. Mehr geht fast nicht. Zwischendurch ist kurz ein leichter Wolkendunst durchgezogen, mit dem Auge kaum wahrnehmbar. Dennoch ging die Intensität der Sonneneinstrahlung sofort um gut 200 Watt zurück. Die Test-Techniker haben diese Veränderung kaum gespürt, das Sternpyranometer reagierte aber prompt. Das wichtigste Messwerkzeug: das Sternpyranometer.
Wolken sind freilich mitten im Hochsommer im Death Valley eher eine Rarität. Im Allgemeinen lassen die Techniker die Prototypen des SLK jeden Tag vier Stunden in der prallen Sonne aufheizen. Dabei zeichnen sie die Daten des unbestechlichen Sternpyranometers fortlaufend auf, um Basiswerte zu ermitteln, damit später die Messergebnisse korrekt miteinander verglichen werden können.
Ihre Hauptaufmerksamkeit gilt allerdings anderen Messungen. Überall im Fahrzeug sind Sensoren verteilt. Allein am Panoramadach haben die Techniker heute am Morgen acht neue Sensoren angebracht. Sie registrieren penibel jede Temperaturveränderung, machen eventuelle Spannungen im Glas sichtbar, überprüfen die Leistungswerte und die Reaktionen der elektronischen Bauteile. Bei minus 40 Grad muss alles genauso reibungslos und zuverlässig funktionieren wie bei Temperaturen jenseits 50 Grad plus. Nach vier Stunden unter der sengenden Sonne verlässt die Erprobungscrew das Death Valley und fährt Richtung Daylight-Pass durch eine bizarre Landschaft, die ständig in Bewegung ist: Verfestigte Schlammschichten bilden Berge, die Kräfte der Erosion zernagen sie. Ein Gebirge zerbricht, und Sandstein wird wieder zu Sand. „Kahle, sterile Berge und blendende Salzflächen starren uns entgegen“, notierte 1849 Lewis Manly, als ein Mormonentreck 25 Tage auf dem Talgrund auf Hilfe warten musste. „Wir sind durch das Tal des Todes geschritten“, berichtete später eine mitreisende Pfarrersfrau und gab damit dem Tal seinen Namen.Im Teststützpunkt angekommen. Moderate 40° Celsius zeigt das Thermometer hier...
Im Teststützpunkt in Beatty angekommen, rund 1200 Meter höher gelegen, ist es vergleichsweise kühl: Moderate 40 Grad Celsius zeigt das Thermometer hier. Zeit für die Tagesbilanz. Die gesammelten Daten müssen ausgelesen und auf Laptops übertragen werden. Heute sind alle zufrieden mit den Ergebnissen. Das bedeutet, die Messergebnisse jedes einzelnen Sensors entsprechen den Erwartungen. Es gab keine Überraschungen. Wie erwartet. Das war nicht immer so. Wie jede Innovation stellte auch das neue MAGIC SKY CONTROL Panorama-Variodach die Ingenieure von Mercedes-Benz vor viele Herausforderungen. Glas und Folien mussten optimal zusammenarbeiten, die Steuerelektronik musste unter allen denkbaren Umständen funktionieren. Manchmal zeigten Messdaten Probleme an. Dann entstand unter den Erprobungstechnikern in ihrer Testwerkstatt geschäftige Hektik. Was sagt uns diese Messung? Wie kam sie zustande? Was müssen wir ändern, um ein ideales Ergebnis zu bekommen? Ständig standen die Techniker und Ingenieure in Beatty via Internet mit dem Entwicklungszentrum in Sindelfingen in Verbindung. Vorschläge wurden gemacht, verworfen, neue Strategien entworfen, Bauteile verändert. Bereits frühmorgens wurden oft Teile ausgetauscht, neue Sonden angebracht. Diese Phase ist nun abgeschlossen. Die letzten Hitzetests im Death Valley bestätigen dies.
Sie haben auch noch einmal eindrucksvoll die Wirkung des neu entwickelten Dachs bewiesen. Wenn sie nach vierstündiger Hitzetortur auf dem Fahrersitz Platz nahmen und das Dach undurchsichtig schalteten, spürten die Erprobungstechniker sofort eine deutliche Entspannung. Wärmebilder zeigten, dass die Temperatur am Kopf und im Schulterbereich sank. Messungen mit dem auf die Mittelablage gestellten Sternpyranometer machten deutlich, warum das so ist. Bei geöffnetem Dach betrug die Sonnenlast in der Hitze des Death Valleys 1000 bis 1100 Watt pro Quadratmeter. Mit transparentem Glasdach sank sie auf 200 Watt, MAGIC SKY CONTROL mit dunkel geschaltetem Dach senkte sie auf 40 bis 50 Watt – ein 20stel des Ursprungswerts.Das einzigartige MAGIC SKY CONTROL Glasdach kann im nächsten Jahr Weltpremiere feiern.

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