Mercedes-Benz W163

- „die erste M-Klasse” (1997 - 2005)

1997 kam nicht nur ein neues Modell auf den Markt

Mercedes-Benz-W163-08Mercedes-Benz präsentiert am 21. Mai 1997 im Werk Tuscaloosa, Alabama/USA, die erste Generation der M-Klasse. Das Sport Utility Vehicle (SUV) der Baureihe W 163 wird dort komplett gebaut. Die eine Hälfte der gefertigten Fahrzeuge ist für den US-Markt bestimmt, die andere für die übrigen Märkte. Den ersten großen Auftritt hat die M-Klasse in Steven Spielbergs Jurassic Park II.

Seit 2005 wird auch die nachfolgende M-Klasse (W 164) in Alabama hergestellt, nach einer Kapazitätsausweitung ebenso die R-Klasse (W 251) sowie seit 2006 die GL-Klasse (X 164). Tuscaloosa ist das erste Werk für die Produktion von Personenwagen der Marke Mercedes-Benz außerhalb Deutschlands. Bei den in diesem Werk gebauten Fahrzeugen kam es Anfangs für Mercedes bis dahin ungewohnten Qualitätsmängeln. Aufgrund der hohen Nachfrage nach dem Modell und der Qualitätsmängel im Serienanlauf wurde eine relativ geringe Anzahl der Fahrzeuge auch in Graz bei Steyr-Puch gefertigt. Diese Fahrzeuge waren zwar auch nicht fehlerfrei, aber in der Qualität deutlich besser als ihre amerikanischen Pendants.

Obwohl das Modell „M-Klasse“ heißt, werden die Modelle unter der Bezeichnung „ML XXX“ (zum Beispiel ML 320) verkauft. Damit sollen etwaige Verwechslungen mit den sogenannten BMW M-Modellen vermieden werden.

Entscheidung für Amerika

Mercedes-Benz-W163-02Mercedes-Benz baut von 1995 bis 1997 ein Werk in den USA. Diese Entscheidung fällt 1993 die damalige Daimler-Benz AG. Die Auslandsmontage von Mercedes-Benz Personenwagen hat zwar schon 1935 in Dänemark begonnen, dort werden aber nur kleinere Kontingente hergestellt. Das Werk in Alabama ist der erste Standort außerhalb Deutschlands, in dem Mercedes-Benz Personenwagen für den gesamten Weltmarkt produziert werden.

Das Werk entsteht für ein vollkommen neues Auto. Im Januar 1996 zeigt die Marke die Studie AA Vision auf der North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit. Das Fahrzeug nimmt wichtige Aspekte der M-Klasse vorweg und wird mit dem Preis „Best of Show“ ausgezeichnet. Ihre Europapremiere hat die AA Vision wenige Wochen später auf dem Genfer Automobil-Salon. Hier stellt Mercedes-Benz auch erstmals den Namen der künftigen Baureihe vor: Sie wird M-Klasse heißen. Für die Entwicklung ist die 1994 gegründete Mercedes-Benz U.S. International, Inc. (MBUSI) mit Sitz in Tuscaloosa zuständig.

Mercedes-Benz-W163-06Ihr offizielles Debüt hat die M-Klasse am 21. Mai 1997 im Werk Tuscaloosa. In Anwesenheit von 5000 Gästen – darunter auch Fob James, Gouverneur von Alabama – wird zugleich das Werk offiziell eingeweiht. Der neue Produktionsstandort umfasst auf einer Nutzfläche von insgesamt 810 000 Quadratmeter und einer überbauten Fläche von 93 000 Quadratmeter die Bereiche Rohbau, Lackierung, Montage, Ausbildungszentrum und Kundencenter. Daimler-Benz investiert mehr als 300 Millionen US-Dollar in das Werk, die Entwicklung der M-Klasse kostet rund 700 Millionen US-Dollar.

Das neue Modell ist ein Meilenstein in der Produktoffensive von Mercedes-Benz: 1997 stellt die Stuttgarter Marke auch den CLK und die A-Klasse vor. Die komfortable M-Klasse ist gleichermaßen für den Asphalt- und den Geländebetrieb konzipiert, sie basiert auf einem Chassis mit separatem Rahmen aus geschlossenen Kastenprofilen. Hilfsrahmen für die vordere und hintere Radaufhängung sowie zehn Gummilager dämpfen die Übertragung von Straßenunebenheiten und Geräuschen auf die Karosserie.

Mercedes-Benz-W163-03Das in dieser Fahrzeugklasse einzigartige Fahrwerk hat rundum Einzelradaufhängung. Der Antriebsstrang ist eigens für den permanenten Allradantrieb konzipiert, statt herkömmlicher Differentialsperren arbeitet in der M-Klasse eine modifizierte Variante des elektronischen Traktionssystems ETS. Auch das Anti-Blockier-System ABS ist auf den Einsatz im Gelände abgestimmt. Ergebnis dieses innovativen Fahrzeugkonzepts ist ein Auto, das Komfort und Fahrsicherheit mit der Geländetauglichkeit und Robustheit eines Geländewagens sowie dem Raumangebot und der Variabilität einer Großraumlimousine verbindet.

Erfolgsmodell M-Klasse

Mercedes-Benz-W163-18Die Begeisterung für das neue Fahrzeug ist so groß, dass Mercedes-Benz die Nachfrage nach der M-Klasse zunächst kaum befriedigen kann. Angeboten wird das neue Modell von September 1997 an in Nordamerika und von März 1998 an  auch in Europa als ML 320 mit einem V6-Motor, der 218 PS (160 kW) leistet.

In Europa ist die M-Klasse auch als ML 230 mit Vierzylindertriebwerk (150 PS/110 kW) zu haben. Topmodell ist zunächst der 1998 präsentierte ML 430 (270 PS/199 kW), bis AMG 1999 den ML 55 AMG vorstellt, dessen Motor 347 PS (255 kW) leistet. Im selben Jahr hat auch die Diesel-Variante ML 270 CDI mit einem 163 PS (120 kW) starken Reihenfünfzylinder-Motor Premiere; sie erweist sich insbesondere in Europa als äußerst erfolgreich.

1999 investiert Mercedes-Benz rund 80 Millionen Dollar in die Erweiterung der Kapazitäten in Tuscaloosa. Und die M-Klasse wird mit dem „World Car Award“ ausgezeichnet, der für das ideale Welt-Auto vergeben wird. Zahlreiche weitere Preise folgen. 1999 sind bereits rund 100 000 Fahrzeuge der Baureihe verkauft worden. Im August 2000 entscheidet DaimlerChrysler, nochmals mehr als 600 Millionen Dollar in das Werk zu investieren, um die jährliche Produktionskapazität auf rund 160 000 Fahrzeuge zu steigern. Mittlerweile wird die M-Klasse in 135 Länder weltweit verkauft.

Das Konzept AAV

Mercedes-Benz-W163-17Im Januar 1996 zeigte Mercedes-Benz erstmals auf der North American International Auto Show in Detroit einen ersten Vorgeschmack auf ein All Activity Vehicle mit großem Fahrkomfort für anspruchsvolle Kunden. Die Front hat geneigte Scheinwerfer. Die Karosserie ist funktional, die kurzen Überhänge ermöglichen unter Anderem an Front- und Heck steile Böschungswinkel im Gelände. Eine gute Aerodynamik hilft den Treibstoffverbrauch zu senken und Windgeräusche zu vermindern. Die Karosseriekonstruktion sitzt auf einem Starrahmen.

Die M-Klasse ist auf Freizeitaktivitäten ausgerichtet. Ein Dachträger-system nimmt z.B. Fahrräder, Surf- oder Snowboards auf. Der hintere Stoßfänger enthält eine versenkbare Anhängekupplung. Die Hecktür des Konzeptfahrzeugs trägt das Reserverad und Lautsprecher der Marke Bose, die gedreht werden können, um außerhalb des Autos Musik zu hören.

Mercedes-Benz-W163-19Der Innenraum ist variabel ausgelegt und bietet Stauraum für weitere Ausrüstung und Gepäck. Die Studie ist mit zwei Sonnendächern, Navigationssystem und Autotelefon ausgestattet. Das Telefon wird über Lenkradtasten bedient, das Mikrofon der Freisprecheinrichtung befindet sich in der Sonnenblende. Neben zwei Frontairbags hat die AA Vision zwei Seitenairbags, ABS und ein elektronisches Stabilitätsprogramm ESP.

Neu ist der permanente Allradantrieb der AA Vision. Er wird von einer Elektronik gesteuert, die mangelnden Grip an einem Rad erkennt und das Drehmoment so auf die übrigen Räder verteilt. Die AA Vision hat rundum Einzelradaufhängung.

2001: Die Modellpflege

Mercedes-Benz-W163-15Nach der Modellpflege 2001 löst der ML 500 mit einer Leistung von 292 PS (215 kW) den ML 430 ab, als neues Diesel-Topmodell kommt der ML 400 CDI mit einem 250 PS (184 kW) starken V8-CDI-Triebwerk auf den Markt. Der ML 230 wird nicht mehr angeboten.

Nachfolgend eine Auflistung der maßgeblichen Änderungen
:
  • Scheinwerfer in Klarglasoptik mit Projektionsscheinwerfern
  • Seitenblinker von den Kotflügeln in die Außenspiegel integriert
  • Außenspiegelblinker wurden in Klarglasoptik gestaltet
  • neue Heckleuchten in Brillantoptik
  • neue Frontschürze mit Klarglasnebelscheinwerfern
  • neue Heckschürze und neue Seitenschweller
  • Rammschutzleisten in Wagenfarbe lackiert
  • neue Leichtmetallfelgen (statt 16" jetzt 17")
  • Heckklappe und Kühlergrill mit Chromleiste, je nach Motor
  • ML 500 jetzt mit 215 kW (292 PS) und 440 Nm
  • ML 400 CDI jetzt mit 184 kW (250 PS) und 560 Nm
  • Aufwertung des Innenraums

Die Sondermodelle

Mercedes-Benz-W163-13Die Sondermodelle von der M-Klasse sind,  ähnlich wie bei den Classic/Elegance/Avantgarde Modelle der Limousinen, mit ihrem Namen am Anfang der Seitenschutzleiste erkennbar,

Ende 2002 wurde das limitierte Sondermodell Inspiration verkauft, welches sich durch exklusive Optikausstattung abgrenzte:
  • 17-Zoll-Breitreifen
  • Grill / Lüftungsgitter vorne silbern lackiert (ähnlich AMG-Modell)
  • Sportsitze vorne (vom AMG-Modell)
  • Leder Anthrazit mit hellgrauen Ziernähten
  • erweiterte Lederausstattung
  • Kombiinstrument mit Chromringen und weißen Zeigern
  • Veloursfußmatten mit dem Logo Inspiration
  • wählbare Lacke: Brillantsilber, Obsidianschwarz, Schwarz, Tansanitblau oder Travertinbeige
  • Zierteile in Pappel-Schwarz (Designo)
  • Zierleisten mit dem Logo Inspiration


Mercedes-Benz-W163-14Im letzten Produktionsjahr 2005 legte Mercedes noch ein neues Sonderausstattungspaket nach. Die M-Klasse Final Edition:
  • abgedunkelte Heckleuchten
  • silber lackierter Kühlergrill mit Chromeinlagen
  • zwei Powerdomes auf der Motorhaube (wie AMG-Modell)
  • neue Leichtmetallfelgen im Fünf-Speichen-Design
  • Dachreling aus Aluminium
  • Türgriffe mit Chromeinlage
  • Heckklappe mit Chromleiste
  • Rammschutzleisten mit Schriftzug „Final Edition“
  • optionaler Styling-Bügel in Wagenfarbe lackiert
  • Lackierung auf Wunsch in Cubanitsilbermetallic
  • Chromapplikationen und mehr Leder im Innenraum
  • Kombiinstrument hat Chromringe mit weißen Zeigern
  • Sportsitze in Leder mit Alcantara
  • Holzapplikationen in Birke in heller Maserung
  • Veloursfußmatten mit dem Logo „Final Edition“
  • Sitzheizung
  • Lederausstattung

Video über die Entstehung (W163)

Allen Varianten sind neben der Mercedes-typischen Fahrkultur auch neueste technische Spitzenleistungen gemeinsam. Dazu gehören zum Beispiel das AGILITY CONTROL-Paket mit situationsgerechter Stoßdämpferregelung, das Intelligent Light System mit fünf verschiedenen Lichtfunktionen sowie das PRE-SAFE©-System mit präventiven Schutzmaßnahmen für die Insassen. Zur Auswahl stehen Vier- und Sechszylindermotoren, die bis zu 13 Prozent mehr leisten als im Vorgängermodell und bis zu sechs Prozent weniger Kraftstoff verbrauchen.

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aktuelle Marktlage (Stand: 2010 / 2011)

Mercedes-Benz-W163-16Insgesamt entstehen in Tuscaloosa mehr als 570 000 Fahrzeuge der ersten M-Klasse-Generation. Von 1999 bis 2002 sind zusätzlich rund 77 100 Wagen der M-Klasse für den europäischen Markt bei Magna Steyr in Graz/Österreich gebaut worden. 2005 löst die M-Klasse der Baureihe W 164 in Tuscaloosa die erste Generation des erfolgreichen SUV ab.

Die M-Klasse W163 wird aktuell als Gebrauchtwagen gehandelt. Preise für gebrauchte Fahrzeuge beginnen derzeit bei etwa € 6.500,- (Stand 11/2010) Fahrzeuge nach der Modellpflege sind (wie üblich) entsprechend teuer. Beim Kauf sollte man unbedingt darauf achten ein besonders gepflegtes Exemplar zu erwischen - Qualitätsmängel sind, besonders bei der ersten Serie (Daimler Chrysler...) keine Seltenheit. Viele Kinderkrankheiten wurden jedoch bereits im Zuge der Wartung durch den Erstbesitzer behoben. Die meisten angebotetenen M-Klassen stehen noch durchwegs gut da.

Produktionszahlen & Nachfolger

Mercedes-Benz-W163-09Mit etwa 570.000 verkauften Einheiten weltweit war die M-Klasse für Mercedes ein durchaus wichtiges Modell. Bevor der Begriff "SUV" (Sports Utility Vehicle) salonfähig wurde gab es dieses Modell bereits. Die M-Klasse wurde im Blockbuster Jurrassic Park medienwirksam präsentiert und war für das Unternehmen wichtig für die Stellung am amerikanischen Markt.

Der Nachfolger: Der Nachfolger, W164 ist gerade als Neuwagen beim örtlichen Mercedeshändler zu bestaunen. Weitere Informationen zu diesem Modell demnächst hier.



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