Mercedes-Benz W114 / W115
- „der Strichacht” (1968 - 1976)
Ein Stück deutsches Kulturgut: der Mercedes /8
Mit dem Strich-Acht-Benz geht 1968 von Stuttgart eine konstruktive Revolution aus, die das Fundament legt und Maßstäbe setzt für die späteren Generationen der mittleren Baureihe von Mercedes-Benz, der heutigen E-Klasse. über die neunjährige Bauzeit hinaus ist der Strich-Acht zu einer Ikone der Automobilkultur der 1960er und 1970er Jahre geworden.
Eine “konstruktive, automobile Revolution”
«Mittlerweile sind die Fahrzeuge der Baureihen W115 und W114 längst hoch geschätzte automobile Klassiker und zählen zum Oldtimerbestand».
Schon zur ersten Pressevorstellung im Januar 1968 in Sindelfingen fällt das Medienecho hervorragend aus. Das ebenso erfolgreiche offizielle Debüt folgt im März auf dem Automobilsalon in Genf. Zunächst umfasst die Modellpalette sechs Limousinen: Die Vierzylindertypen 200, 220, 200 D und 220 D bilden die Baureihe W 115, die beiden Sechszylindervarianten 230 und 250 erhalten die Baureihenbezeichnung W 114. Als Spitzenmodell unterscheidet sich der Mercedes-Benz 250 von den anderen Typen durch seine Doppelstoßstange vorn.
Vom viel gelobten Debütanten ist es nur ein kleiner Schritt zum Verkaufsschlager. Die Nachfrage ist von Beginn an groß und sorgt bald für lange Lieferzeiten. Insgesamt werden fast zwei Millionen Exemplare der Strich-Acht-Baureihen von 1968 bis 1976 gebaut. Das sind nahezu ebenso viele Fahrzeuge, wie von allen Personenwagen-Baureihen der Marke Mercedes-Benz zusammen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1968 produziert worden sind. Der "Strich-Acht-Mercedes" hat sich als vielseitig eingesetztes Erfolgsmodell etabliert das auch anspruchsvolle Fahrer begeisterte. Schon zur ersten Pressevorstellung im Januar 1968 in Sindelfingen fällt das Medienecho hervorragend aus. Das ebenso erfolgreiche offizielle Debüt folgt im März auf dem Automobilsalon in Genf. Zunächst umfasst die Modellpalette sechs Limousinen: Die Vierzylindertypen 200, 220, 200 D und 220 D bilden die Baureihe W 115, die beiden Sechszylindervarianten 230 und 250 erhalten die Baureihenbezeichnung W 114. Als Spitzenmodell unterscheidet sich der Mercedes-Benz 250 von den anderen Typen durch seine Doppelstoßstange vorn.
Technik: die Diagonal-Pendelachse
Das hervorstechende konstruktive Detail der neuen Baureihe liegt unter dem Kofferraum: Die Strich-Acht-Typen sind mit der so genannten „Diagonal-Pendelachse“ ausgestattet. Damit hat nun erstmals ein Mercedes-Benz Serien-Pkw eine Schräglenker-Hinterachse. Gegenüber den Vorgängermodellen bringt die neue Achse deutlich verbesserte Fahreigenschaften, ohne dass dabei Einbußen beim Fahrkomfort entstehen. Die verbesserten Fahreigenschaften erkennen auch internationale Automobiljournalisten, die im Dezember 1967 zu einem ersten Fahrtest auf die alte Strecke der Targa Florio nach Sizilien eingeladen werden.
«Die neue Hinterachse verlieh dem Wagen eine Straßenlage, die auch heute noch überzeugt. Die identische Konstruktion wurde in jeweils typbedingt angepasster Form in den nachfolgenden Baureihen W116, R/C107, W123 und W126 verwendet.»
«Die neue Hinterachse verlieh dem Wagen eine Straßenlage, die auch heute noch überzeugt. Die identische Konstruktion wurde in jeweils typbedingt angepasster Form in den nachfolgenden Baureihen W116, R/C107, W123 und W126 verwendet.»
Schnee, Glatteis und die schmalen Bergstraßen der Madonie verlangen dem Fahrwerk viel ab, doch der Strich-Acht bewährt sich hervorragend.
Hinsichtlich Radstand und Gewicht ist die mittlere Baureihe seit dem Ponton (2,65 Meter und 1,22 Tonnen) über Heckflosse (2,70 Meter und 1,28 Tonnen) zum Strich-Acht (2,75 Meter und 1,36 Tonnen) konsequent gewachsen. Die Gesamtlänge des neuen Typs liegt jedoch mit 4,68 Meter unter der Baureihe W 110 – das neue Verhältnis von Gesamtlänge der Karosserie zum Radstand unterstreicht mit ausgewogenen Proportionen die klare Linienführung in der Silhouette. Das zusätzliche Gewicht ist vor allem Maßnahmen der passiven Sicherheit geschuldet, die überlegungen des Mercedes-Benz Ingenieurs Béla Barényi umsetzen, einem Pionier auf diesem Gebiet. Der Wagen war nach den neuesten Sicherheitsüberlegungen entwickelt worden. So hatten z.B. alle Modelle serienmäßig vier Scheibenbremsen. Erstmals wurde die anfällige Stockhandbremse der Vormodelle von der einer, dem Citroen DS entlehnten Fußfeststellbremse mit einem Entriegelungszugknopf am Armaturenbrett abgelöst.
Hinsichtlich Radstand und Gewicht ist die mittlere Baureihe seit dem Ponton (2,65 Meter und 1,22 Tonnen) über Heckflosse (2,70 Meter und 1,28 Tonnen) zum Strich-Acht (2,75 Meter und 1,36 Tonnen) konsequent gewachsen. Die Gesamtlänge des neuen Typs liegt jedoch mit 4,68 Meter unter der Baureihe W 110 – das neue Verhältnis von Gesamtlänge der Karosserie zum Radstand unterstreicht mit ausgewogenen Proportionen die klare Linienführung in der Silhouette. Das zusätzliche Gewicht ist vor allem Maßnahmen der passiven Sicherheit geschuldet, die überlegungen des Mercedes-Benz Ingenieurs Béla Barényi umsetzen, einem Pionier auf diesem Gebiet. Der Wagen war nach den neuesten Sicherheitsüberlegungen entwickelt worden. So hatten z.B. alle Modelle serienmäßig vier Scheibenbremsen. Erstmals wurde die anfällige Stockhandbremse der Vormodelle von der einer, dem Citroen DS entlehnten Fußfeststellbremse mit einem Entriegelungszugknopf am Armaturenbrett abgelöst.
Coupé in der mittleren Baureihe
Doch vor allem die Präsentation des sportlichen Zweitürers ist eine Premiere, die besondere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Schließlich ist zum ersten Mal nun auch in der oberen Mittelklasse der Stuttgarter Marke eine Coupé-Version als exklusive Variante verfügbar. Doppelt exklusiv fällt unter den beiden Coupés der 250 CE aus. Denn seine Motorisierung mit dem 2,5-Liter-Einspritzmotor (110 kW/150 PS) bleibt allein dieser Karosserieform vorbehalten.
Limousine mit langem Radstand
der 4,6 Millionen-Kilometer-Rekord
Unglaublich, aber wahr: der von Mercedes-Benz bestätigte Rekordhalter ist ein 240 D, der zwischen 1976 und 2004 mit zwei Austauschmotoren 4,6 Millionen Kilometer zurücklegte. Das Fahrzeug befindet sich heute wieder im Firmenbesitz und wurde im MB-Museum in Stuttgart ausgestellt.
Der /8 erreichte mit knapp zwei Millionen annähernd die gleiche Stückzahl wie alle Nachkriegs-PKW der Marke Mercedes (von 1945 bis 1968) vor ihm zusammen. Berühmt ist der /8 für seine hohe Zuverlässigkeit, was dazu führt, dass heute im Straßenverkehr noch mehr /8er zu sehen sind als wesentlich jüngere vergleichbare Modelle anderer Hersteller.
Der /8 erreichte mit knapp zwei Millionen annähernd die gleiche Stückzahl wie alle Nachkriegs-PKW der Marke Mercedes (von 1945 bis 1968) vor ihm zusammen. Berühmt ist der /8 für seine hohe Zuverlässigkeit, was dazu führt, dass heute im Straßenverkehr noch mehr /8er zu sehen sind als wesentlich jüngere vergleichbare Modelle anderer Hersteller.
Sonderausstattungen im Mercedes /8
Karosserieform und Innenraum waren schlichter und sachlicher gestaltet als bei bisherigen Modellen von Mercedes-Benz. Mit Einführung dieser Baureihe waren viele Zusatzausstattungen verfügbar, womit sich der Preis in für damalige Verhältnisse astronomische Höhen treiben ließ: Elektrische Fensterheber (nur vorn oder an allen Türen), Stahlschiebedach (auch elektrisch), Klimaanlage, Halogen-Scheinwerfer, Scheinwerferwaschanlage (ab 1972), Leichtmetallräder und Metallic-Lack für die Sechszylinder. Kopfstützen vorn (ab Mitte 1972 Serie) und hinten, Becker Autoradio, Zentralverriegelung, Zusatzfanfaren, Mittelarmlehne und vieles mehr. (insgesamt waren es bis zu 43 Extras).
Ein 280 E mit Vollausstattung, also einschließlich Automatik, Servolenkung, Colorglas, Stahlschiebedach, Lederausstattung, Kopfstützen, rechtem Außenspiegel, Niveauregulierung an der Hinterachse, Zugvorrichtung etc. konnte 1972 über DM 40.000,- kosten, während ein Zweiliter-Benziner in der Basisausstattung ca. DM 13.000,- kostete.
«Die W114/115-Baureihe markierte in der Mittelklasse den Beginn der „legendären“ Mercedes-Aufpreispolitik. Nie zuvor konnten so viele Extras geordert werden.»
Ein 280 E mit Vollausstattung, also einschließlich Automatik, Servolenkung, Colorglas, Stahlschiebedach, Lederausstattung, Kopfstützen, rechtem Außenspiegel, Niveauregulierung an der Hinterachse, Zugvorrichtung etc. konnte 1972 über DM 40.000,- kosten, während ein Zweiliter-Benziner in der Basisausstattung ca. DM 13.000,- kostete.
«Die W114/115-Baureihe markierte in der Mittelklasse den Beginn der „legendären“ Mercedes-Aufpreispolitik. Nie zuvor konnten so viele Extras geordert werden.»
Motorisierung und äussere Merkmale
Von 1974 bis 1976 hatte die Baureihe W114 / W115 eine enorme Motorenpalette von zehn Motoren, unter denen die Käufer wählen konnten: 200, 230.4, 230.6, 250, 280, 280 E, 200 D, 220 D, 240 D und 240 D 3.0.
Das äußere Erkennungsmerkmal der Spitzenmotorisierung, seit dem Serienanlauf bei den 250ern Limousinen und Coupés die doppelte vordere Stoßstange, wurde nun für die 280er Limousinen-Modelle um eine hintere Stoßstange mit langen verchromten Stoßstangenecken, die bis nach vorn zu den Hinteradausschnitten reichen, erweitert. Diese lange hintere Stoßstange war schon von den Coupés bekannt, die seit Serienanlauf und bis zur großen Modellpflege 1973 sämtlich mit Doppelstoßstangen vorne und langen hinteren Stoßstangen ausgerüstet wurden. Bei der Modellpflege 1973 fiel die vordere Doppelstoßstange bei allen Modellen weg.
Die 280er Spitzenmodelle von 1972 und 1973 sind heute die begehrtesten Versionen der „Strich-Achter“: schon mit den stärksten Motoren, jedoch noch mit glatten Rückleuchten, Ausstellfenstern, langen Stoßstangen hinten, doppelten Stoßstangenecken vorn – gerne auch mit elektrischem Schiebedach, Klimaanlage, rundum elektrischen Fensterhebern sowie der mit den 280ern erstmals lieferbaren Scheinwerfer-Wisch-Wasch-Anlage.
Modellpflege-Maßnahmen
- Serie 0,5: Ende 1967 – Juli 1969
- Serie 1: August 1969 – März 1972
(Heizungsbetätigung und Handschuhfach beleuchtet, Mittelkonsole jetzt einteilig mit breitem Aschenbecher, Teppiche statt Gummimatten, Teppich auf Hutablage, abgesteppte Sitzkissen, rechter Außenspiegel auf dem Kotflügel, serienmäßige Warnblinkanlage, umschäumter Schalthebel, Wischerarme mit Abdeckung, anderes Heizungsventil, Kühlergitter aus Kunststoff)
- Serie 1,5: April 1972 – Juli 1973
(Änderungen an der Innenausstattung und Polsterung, Intervallschaltung für Scheibenwischer, Automatikgurte, Frontscheibe serienmäßig mit Verbundglas, Sicherheitslenkrad, neue Motoren 280/C und 280 E/CE, 250 CE entfällt)
- zweite, letzte Serie: August 1973 – Ende 1976
(Ausstellfenster entfallen, geänderte Front mit Kennzeichen auf der Stoßstange und Lufteinlass, breite und flachere Kühlermaske, gerippte Rückleuchten, große Außenspiegel, breiterer Kofferraumgriff, überarbeitete Innenausstattung, Drehmomentwandler statt hydraulisches Automatikgetriebe, neue Motoren 230.4, 240 D und später 240 D 3.0.)
Es finden sich zahlreiche Detailänderungen zwischen den großen Modellpflegeterminen. Beispielsweise wurde die zweigeteilte Mittelkonsole, die die Serie 0,5 kennzeichnet, auch nach Einführung der Serie 1 bei Fahrzeugen mit Klimaanlage weiter verbaut, jedoch mit anders geformtem Oberteil. Von 1972 bis 1973 gab es die übergangsmodelle der Serie 1,5, da zusammen mit der Einführung der neuen Doppelnockenwellen-Motoren 280 und 280 E im April 1972 die Fahrzeuge optisch und technisch aufgewertet wurden. Gleichwohl blieben viele Merkmale der „alten“ Serie 1 erhalten, daher sind diese Modelle aufgrund ihrer Optik, der kurzen Bauzeit und geringer Stückzahlen heute gesucht.
«Die Baureihe wurde bis Dezember 1976 angeboten, obwohl schon seit Januar 1976 das Nachfolgemodell W123 bei den Händlern stand, da dem Taxigewerbe von Mercedes-Benz eine entsprechende Zusage gegeben wurde. Diese parallele Fertigung ist einzigartig in der Nachkriegsgeschichte von Mercedes-Benz.»
«Die Baureihe wurde bis Dezember 1976 angeboten, obwohl schon seit Januar 1976 das Nachfolgemodell W123 bei den Händlern stand, da dem Taxigewerbe von Mercedes-Benz eine entsprechende Zusage gegeben wurde. Diese parallele Fertigung ist einzigartig in der Nachkriegsgeschichte von Mercedes-Benz.»
Sonderversionen (Umbauten, Leichenwagen etc)
In besonders geringen Stückzahlen wurden von englischen (Crayford), belgischen (Universal) und portugiesischen (Santos) Karosseriebauern Kombiversionen hergestellt. Dies geschah ohne Unterstützung und bisweilen unter Missbilligung von Daimler-Benz. Bei Mercedes war die Entwicklung eines Kombimodells zwar vollständig abgeschlossen, allerdings aufgrund von fehlenden Fertigungskapazitäten jedoch nicht als Serienfahrzeug realisierbar. Stilmerkmale wie der Heckabschluss und die Seitenlinie finden sich im T-Modell der Nachfolgebaureihe W123, dem ersten echten Mercedes-Kombi, wieder. Mehr dazu im Artikel des Nachfolgers.
Verbreitet waren Leichenwagenaufbauten und Versionen mit erhöhtem Dach, die vornehmlich als Krankenwagen ausgestattet wurden, auf der Langversion basierten und hauptsächlich von Binz und Miesen stammten, die beide aber auch Kombimodelle meist im Ausland anboten.
Video über die Entstehung des “Strichachter” (W114 /W115)
aktuelle Marktlage (Stand: 2010 / 2011)
Die Preise für Strich-Acht-Modelle sind höchst verschieden. Die Preisspanne reicht von 1.000,- Euro für Schlachtfahrzeuge bis hin zu 7.500 Euro für gepflegte und / oder restaurierte Fahrzeuge. In besonderen Einzelfällen wurden sogar Preise von 10.000,- Euro und darüber gesichtet, besonders die gut erhaltenen Coupés mit gesundem Blech und Sonderausstattung sind sehr selten und teuer.
Im mittleren Preissegment tummeln sich (besonders, aber nicht nur in den Sommermonaten) sehr häufig "geschminkte" Leichen zu unterschiedlichsten Preisen. Vorsicht: wer einen /8 kaufen möchte muss besonders auf das Blech aufpassen! Reparaturen gehen an dieser Stelle (meist sind es mehrere) sehr schnell in die Tausende...
Die Begeisterung der Young- und Oldtimergemeinde für die Baureihen W114 und W115 ist jedoch seit 1968 vorhanden und wird ungebrochen bleiben - immerhin ist der /8 ein solides Kultmobil.
Im mittleren Preissegment tummeln sich (besonders, aber nicht nur in den Sommermonaten) sehr häufig "geschminkte" Leichen zu unterschiedlichsten Preisen. Vorsicht: wer einen /8 kaufen möchte muss besonders auf das Blech aufpassen! Reparaturen gehen an dieser Stelle (meist sind es mehrere) sehr schnell in die Tausende...
Die Begeisterung der Young- und Oldtimergemeinde für die Baureihen W114 und W115 ist jedoch seit 1968 vorhanden und wird ungebrochen bleiben - immerhin ist der /8 ein solides Kultmobil.
Produktionszahlen & Nachfolger
Der Nachfolger, W123 konnte die Verkaufszahlen der oberen Mittelklasse weiter steigern: auch er wurde ein Beststeller und gilt als Ikonen der Daimler Benz typischen Qualitätsmaxime. Der 123er baute die Stellung des "Mercedes für jedermann" weiter aus, obgleich er wesentlich teuerer war als Modelle anderer Fahrzeughersteller. Auch die Lieferfristen hatten es in sich: Wer 1976 einen W123 bestellte musste auf seinen neuen Benz warten.



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